Pharaonen, Feluken & Falafel – eine Nilkreuzfahrt ins Alte Ägypten – von Luxor bis Assuan

Ein Wimpernschlag der Menschheitsgeschichte! Schon immer war ich vom Altertum fasziniert – allen voran von Ägypten. Egal, ob Action reiche Hollywood-Hadern oder historisch & archäologisch wertvolle Dokumentationen. Ich kann mich einfach nicht sattsehen an den monumentalen Zeitzeugen und nicht genug über Isis, Amenophis, Ramses & Co hören – obwohl ich auch nach meiner einwöchigen Zeitreise ins alte Ägypten immer noch viele Pharaonen und Götter durcheinander bringe – naja,  manchmal sind sie ja auch ein und dasselbe. Deshalb: keine Sorge, dass ich euch mit Informationen zupflastere, vielmehr biete ich euch 5.000 Jahre in mundgerechten Häppchen an – wie kleine Falafel-Bällchen.

Willkommen in Luxor – Freilichtmuseum am Nil – Tor zur Fahrt in Ägyptens Altertum.

Wir haben unseren Trip in Luxor begonnen, das wir zum Hineingleiten zunächst auf eigene Faust erkundeten. Ein riesiges Freilichtmuseum. Hier leben 500.000 Menschen in Harmonie mit der alten und der neuen Zeit. Das Leben spielt sich auf dem Nil ab – deshalb sollte man ihn per Boot erkunden. Dazwischen ein kühler Drink im Winter Palast oder ein Bummel auf der Corniche.

Vor uns das moderne Luxor, dahinter der Luxor Tempel am Nil, der von Amenophis III. Mitte  des 14. Jahrhunderts v. Chr. erbaut wurde.
Die Corniche von Luxor, direkt am Nil befindet sich auch das schönste Hotel der Stadt – der Winter Palast, wo schon Agatha Christie abstieg.

Luxor ist eine Stadt mit vielen Namen. Die alten Ägypter nannten sie Waset – Stadt des Zepters. Bei den alten Griechen hieß sie Theben. Die heutige Übersetzung leitet sich vom Arabischen für “Stadt der Paläste” ab. Die wichtigsten Tempel befinden sich am Ost-Ufer, das man den Lebenden zuschreibt. Hier geht die Sonne auf, hier wurde Handel betrieben,  die Pharaonen bauten sich ihre Paläste und ihren Göttern Tempel wie Karnak und Luxor.  Der Westen, wo die Sonne untergeht, war das Reich der Toten, die sich von dort aus auf ihre Reise zum ewigen Leben begaben.

Blick auf das West-Ufer von Luxor – in den Hügeln befindet sich das Tal der Könige.
Der Sonnenhof vor dem Luxor Tempel. Am Eingang steht nur noch ein Obelisk, der andere wurde nach Paris “verlegt” und befindet sich am Place de la Concorde.

Der Luxor Tempel ist eines der am besten erhaltenen antiken Denkmäler mit vielen Relief-Schnitzereien, Säulen und Statuen. Amenophis III. (ca. 1400-1353 v. Chr.) einer der goßen Baumeister Ägyptens, ließ ihn während seiner Regierungszeit im Neuen Reich errichten. Ramses II. (1279-1213 v. Chr.), erweiterte ihn und drückte ihm seinen Stempel auf.

ANEKDOTE: Amenophis war kein legitimer Thronfolger von Thutmosis IV., sondern der Sohn einer Nebenfrau. Die Hauptfrau gebar keinen Erben. So bestach man die Priester mit dem Bau eines prächtigen Tempels, dafür erzählten diese, dass Gott Amun seine Mutter unbefleckt befruchtete. Kommt euch bekannt vor? Ich sage nur: Jesus und Maria!

Über 3.000 Jahre alte Reliefs im Luxor-Tempel.

Der Luxor-Tempel war mit der 3 km langen Straße der Sphinxen mit dem Karnak-Tempel verbunden, die von über 1.000 Sphinxen bewacht wurde. Erst in den letzten Jahren hat man die Überreste gefunden und sie nach und nach zusammengesetzt. 300 Sphinxen sind wieder hergestellt, weitere folgen. Deswegen müssen noch viele Leute umgesiedelt werden.

300 der über 1.000 Statuen stehen bereits wieder auf der 3 km langen Straße der Spinxen, die den Tempel von Luxor und Karnak verbindet. Hier wurden Götterprozessionen abgehalten.

Karnak wurde wie der Luxor Tempel auch dem wichtigsten Gott Amun sowie seiner Frau Mut und ihrem Sohn Chons gewidmet. Jeder Pharao übertraf seinen Vorgänger, um die Götter wohl zu stimmen. Das Wort kolossal muss wohl hier erfunden worden sein, denn die große Säulenhalle (134 Stück in 16 Reihen angeordnet, massive, fast 25 Meter hohe Säulen erinnern in ihrer Bauform an Papyrusgräser. Papyrus ist die Symbolpflanze für Unterägypten, während Lotus  Oberägypten zugeordnet wird) sieht in natura noch beeindruckender aus als im TV oder im Film “Tod am Nil” (mit Peter Ustinov).

Auch der Eingang zu Karnak wird von Sphinxen gesäumt. Die Anfänge reichen bis 1991 v. Chr. zurück.
Tagsüber herrscht dichtes Gedränge in der Säulenhalle von Karnak. 134 Stück sind in 16 Reihen angeordnet.
In der Mitte der Tempelanlage von Karnak befindet sich der größte Obelisk von Pharaonin Hatschepsut, er ist 29 m hoch.

Obelisken zählen wie Pyramiden zu den bedeutendsten Bauwerken Ägyptens. So hoch wie möglich sollte die Spitze hinauf ragen, um die Wolkendecke zu durchbrechen, damit das Reich zwischen Himmel und Erde vereinigt werden kann – und man aufsteigt.

Da Karnak tagsüber sehr überfüllt ist, empfehle ich zusätzlich die Sound & Light Show nach Einbruch der Dunkelheit, auf der man in kleinen Gruppen unbehelligt durch die nächtliche Anlage schlendern kann. Ein Erlebnis, das ein bisschen an die Monumentalfilme der 1950er Jahre erinnert.

Karnak by Night während der Sound & Light-Show.
Walk Like An Egyptian 🙂 sangen schon die “Bangles”
Nachts im Freilichtmuseum – Tempel von Karnak in Luxor

Insgesamt umfasst Karnak ein Areal von 100 Hektar. Man muss sich das wie eine Burg bei uns vorstellen, wo  die Verwaltung, Paläste, Bäckereien, Brauereien, Kornspeicher und Schulen angesiedelt waren.

Teil der Tempelanlage ist dieser künstlich angelegte See. Hier lebten die Totemtiere Amuns: heilige Gänse. Amun war eine Art Windgott, Luftgott,  auch ein Schöpfergott, durch dessen Hauch die Welt belebt wird. Später zogen die Priester Amun und Re (im Alten Reich als Sonnengott verehrt)  zu Amun-Re zusammen.

Hier lebten einst die “heiligen Gänse” von Gott Amun. Der See diente sowohl als Wasser-Reservoir als auch für Boots-Prozessionen.

Sehenswürdigkeiten wie diese sind bereits Programm-Highlights einer Nilkreuzfahrt, die zwischen Luxor und Assuan (und in der langen Version wieder zurück) verläuft. Der Transfer erfolgt mit Bussen, mitunter auch sehr zeitig in der Früh, um den Touristenhorden zu entgehen. Zum Beispiel im Tal der Könige.

Zeitig am Morgen im Tal der Könige!

Für die Ahnen Ägyptens war es das Wichtigste, nach dem Leben in den Himmel aufzusteigen und unsterblich zu werden. Sie glaubten, dies ginge am besten über die Spitze einer Pyramide. Im Tal der Könige erhebt sich ein Hügel, dessen Gipfel einer Pyramide ähnelt (links oben im Bild) –  man hat übrigens ein bisschen nachgeholfen, daher konnten die Stätten für die letzte Ruhe in Fels gehauen werden – die Auferstehung war somit gesichert.

Hier geht es zur Grabkammer von Ramses VI. hinab. Es ist heiß und stickig.
Sarkophag Ramses IV.

Der französische Autor André Malraux merkte einst an, Ägypten habe die Ewigkeit erfunden. Die altägyptische Zivilisation  stand auf den Grundmauern eines unerschütterlichen Glaubens an das Leben nach dem Tod. Deshalb wurden die betuchten Toten einbalsamiert, raffiniert in Höhlen-Systemen versteckt und mit Grabbeigaben wie Gold, Speisen, Waffen, Diener, etc. ausgestattet. Bislang wurden 65 Gräber entdeckt, doch man geht von wesentlich mehr aus. Seit 1500 v. Chr. dient dieses Areal und umliegende Täler als Gräber für Pharaonen, Königinnen sowie wohlhabende Ägypter. Die Wandmalereien erzählen vom Bestatteten, die Farben sind ORIGINAL!!!! Meist sind nur ein paar wenige Gräber für Besichtigungen geöffnet.

Die Farben sind oft über 3.000 Jahre alt und erzählen aus dem Leben des jeweils bestatteten Pharao.

So richtig berühmt wurde das Tal der Könige durch den britischen Archäologen Howard Carter, der 1922 das erste intakte Grab überhaupt gefunden hat – das des Kindkönigs Tutanchamun (17). Denn es stellte sich heraus, dass oft sogleich nach der Beerdigung die Gräber geplündert wurden, obwohl die Eingänge verschüttet waren.

ERSTER GENDERQUEER PHARAO

Nächste Station auf der Westufer-Tour: der Hatschepsut-Tempel. Eines der beeindruckendsten Bauwerke des Altertums. Imposant und futuristisch. Und mit einem traumhaften Blick auf Luxor und den Nil. Seine Erbauerin ist sagenumwoben, denn, was viele Untertanen damals nicht wussten, war ihr Pharao, der sie 50 Jahre beherrschte, in Wirklichkeit eine Pharaonin.

Der dreistöckige Hatschepsut-Tempel aus 1500 v. Chr. wirkte einst futuristisch und war eine Ritualstätte ohne Grab.

HISTORY of HATSCHEPSUT

Als Tochter von Tuthmosis I. kam sie für den Thron nicht infrage, obwohl sie das einzige Kind mit seiner Hauptfrau war. Also musste sie, wie damals nicht unüblich, ihren Halbbruder Thutmosis II. heiraten, um die Dynastie zu retten. Doch dieser war irgendwie regierungsunfähig und der gemeinsame Sohn noch zu klein. Die gewivte Königsgemahlin paktierte also mit den Priestern. Gemeinsam redeten sie dem Volk ein, dass sie, Hatschepsut, die leibhaftige Tochter des Gottes Amun sei, praktisch seine Stellvertreterin auf Erden. Wie das ging? Nun, sie behaupteten, dass Amun ihrer Mutter, Königin Ahmose, in Gestalt von Thutmosis I. erschienen sei. Als Dank gab es mal wieder einen prächtigen Tempel für die Priester. Der “Trick” ging auf und sie regierte – aber wie ein Mann – rund 20 Jahre, ehe sie verschwand.

Auf einer der drei Terrassen des Tempels der Hatschepsut im Tal der Könige.

Wer ins Tal der Könige will, kommt an diesen beiden Riesen nicht vorbei. Die Kolosse von Memnon. Dieses Paar, zwei monströse Monolithen, sind die letzten Zeugen eines Tempels, den Amenophis III. vor ca. 2.400 Jahren erbauen ließ.

An den Kolossen von Memnon kommt keiner vorbei, der ins Tal der Könige will.

LEGENDE: Man erzählt sich, dass diese Kolosse einst singen konnten. Ein pfeifendes Geräusch entstand vielleicht, als die Morgensonne die Steine der Statuen erwärmte, diese sich dadurch ausdehnten und aneinander rieben. Der römische Eroberer-Kaiser Septimus Servus (193-211 n. Chr.) ärgerte sich, dass die Kolosse nicht für ihn sangen und ließ den Felsvorsprung reparieren. Sie verstummten für immer.

Ihren heutigen Namen “Memnon” bekamen die 18 m hohen Kolosse erst von den alten Griechen.

Boat Life. Wenn man nicht gerade auf Besichtigungen ist, chillt man am Sonnendeck seines Nil-Kreuzfahrtschiffes. Die vorüberziehende Landschaft hat etwas Beruhigendes. Meist ist man nicht allein, die schwimmenden Hotels fahren in Reih’ und Glied gen Süden.

Am Sonnendeck. Feluken fahren dem Sonnenuntergang entgegen.

Next Stop: Edfu & Kom Ombo. Den ersten Tempel tauschten wir gegen chillen am Schiffs-Mini-Pool. Der Doppel-Tempel in Kom Ombo lockte uns aber dann doch von Board, er ist dem Krokodilgott Sobek und dem Himmelsgott Horus (wird meist als Falke dargestellt) gewidmet. Das alte Gemäuer erzählt von den Götter-Geschwistern Isis, Osiris und Seth. Isis und ihr Ehemann/Bruder Osiris hatten einen gemeinsamen Sohn, Horus. Seth tötete seinen Bruder und beanspruchte genau wie Osiris Sohn Horus den Thron. Eine lange und fürchterliche ägyptische Tragödie.

Eingang zum Doppel-Tempel in Edfu. Er liegt direkt am Nil.

Auf einigen Wänden erkennt man sogar noch die alten Rezepturen für Minzöl oder Weihrauchmischungen, die bei Zeremonien eingesetzt wurden.

Tempel von Sobek und Horus. Meist von Massen belagert.

Unser Reiseführer Ramses (of course ein Spitzname) erzählte uns obendrein, was die eigentliche Besonderheit ist. Wenn man sich in diese steinalten Fußabdrücke stellt, können Leiden gemindert oder gar geheilt werden. Wie man sieht, war ich total “erleuchtet” 🙂

Im Horus-Tempel in Edfu gibt es einen besonderen Kraftplatz. Das ist “Ramses”, unser genialer Reiseführer auf dem Nil.

Sobek war, wie gesagt, der Gott des Wassers, der Flussufer und Sümpfe. Der Nil soll aus seinem Schweiß entstanden sein und er galt als Auslöser für die fruchtbaren Nilüberschwemmungen. Die Nil-Krokodile, bis zu 12 Meter lang, wurden gleichermaßen gefürchtet und geehrt. Deshalb sind diese göttlichen Wesen auch mumifiziert worden, was man im angrenzenden Museum bestaunen kann.

Das Krokodil-Museum in Kom Ombo.
Die heiligen Krokodile wurden auch mumifiziert.

WARUM MAN DAS ALLES WEISS? Gute Frage, so lange ist es noch nicht her, dass man ein Tor in eine andere Welt öffnen konnte. Dies gelang 1822 mit der Übersetzung des Rosettasteins, der von Napoleons Truppen nördlich des heutigen Kairo im Nildelta gefunden wurde. Der “Schlüssel” ermöglichte es,  die Hieroglyphen zu verstehen. Und so offenbarte sich auch das Geheimnis des Pyramiden-Baus und vieles mehr nach tausenden von Jahren.

ENDSTATION ASSUAN

Das Ende der zivilisierten Welt – das war im alten Ägypten Assuan, Ziel einer jeden Nil-Kreuzfahrt. Denn in der schönsten Stadt Ägyptens befanden sich die ersten Katarakte, Granitbarriere im Fluss, die wilde und gefährliche Strudel erzeugte und den Nil unschiffbar machte. Dahinter begann das alte Nubien – die Nubier haben heute noch in Ägypten ihre eigene Kultur und Sprache.

Awsome Assuan. Der schönste Platz Ägyptens.

Von hier gibt es die Möglichkeit, die Umgebung zu erkunden, aber wir entschieden uns für zwei Ferien-Tage im berühmten Old Cataract Hotel.

Das prächtige Old Cataract Hotel in Assuan.
Willkommen in der Kolonial-Zeit Ägyptens!

Ein bezauberndes Kolonialstil-Juwel, in dem Krimi-Queen Agatha Christie “Der Tod auf dem Nil” schrieb. Erschienen 1937.  Bei dieser Aussicht kein Wunder, dass es ein Bestseller wurde, der hier auch mit Peter Ustinov als Meister-Detektiv Hercule Poirot verfilmt wurde.

Agatha Christie (1890-1976), aus guten britischen Hause stammend, bereiste bereits als Kind Ägypten. Schon mit 17 verbrachte sie mit ihrer kränklichen Mutter lange Monate in Kairo, unternahm Ausfahrten auf dem Nil, besichtigte die Pyramiden und Tempel.  Durch ihren zweiten Ehemann, dem Archäologen Max Mallowan,  zog es sie immer wieder in den Orient zurück. „Ein Archäologe ist der beste Ehemann, den eine Frau haben kann“, schrieb sie selbst darüber: „Denn je älter sie wird, desto mehr ist er interessiert an ihr.“

Hier gehts zur Agatha Christie-Suite, in deren Inneren leider fast nichts mehr original ist.

Im Old Cataract Hotel stieg schon so mancher Star ab – von Angelina Jolie bis Prinzessin Diana.

Wie aus einer anderen Zeit – Lobby im Old Cataract.

Das Restaurant heißt nicht umsonst 1902 – es sieht noch genauso wie im Eröffnungsjahr aus.

Oase der Entspannung. Hier plantscht man zwischen den Ausflügen: Assuan-Staudamm, den Steinbruch (nach dem Besuch weiß man, wie die Obelisken und andere Monolithen für Statuen abgebaut und transportiert wurden), Nubische Parfumerie (wo es herrliche ätherische Öle gibt), Nubisches Dorf, die Halbinsel Elephantine – man vermutet, dass da früher Elefanten gelebt haben. Probieren sollte man auch die orientalische Küche: unbedingt Falafel kosten – kleine, gebackene Gemüsebällchen, die toll zu Humus (Kichererbsen-Aufstrich) schmecken.

Interessant auch dieser Ausblick auf das Mausoleum des Aga Khan III. (1877 bis 1957), dem religiösen Oberhaupt der Ismaeliten. Er war von diesem Platz so fasziniert, dass er hier zur letzten Ruhe gebettet werden wollte.

Das Mausoleum von Aga Khan III. Eine Sehenswürdigkeit.

Und nun ist es langsam an der Zeit, wieder in die Gegenwart zurück zu reisen.  Küsschen, eure Bride Mary on Tour

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