Pantelleria – Die Tochter der Winde

Zum ersten Hochzeitstag verschlug es uns wieder auf eine relativ unbekannte Insel. Diesmal ein bisschen näher als Tsarabanjina in Afrika, aber man konnte den Kontinent fast schon sehen. Pantelleria liegt 110 km von Sizilien und 70 km von Tuniesen entfernt. Wenn Ihr Lust habt, folgt mir heute auf die “schwarze Perle” des Mittelmeers, deren Schönheit vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennbar ist.

Scauri, der zweitgrößte Ort auf Pantelleria. Hier wird angeblich auch gerne geheiratet!

Bride Mary tourt weiter! Schon bei der Hochzeit hat das ich, das nun ein WIR ist, beschlossen, fortan jeden Hochzeitstag reisend – oder zumindest nicht zu Hause zu verbringen. Glücklicherweise teilen wir die Leidenschaft, zu reisen, zu entdecken, neue Eindrücke und Erinnerungen zu sammeln. Der erste Hochzeitstag ist natürlich etwas ganz Besonderes, und so war auch Pantelleria.

Happy 1. Hochzeitstag, my Love!

Juni ist eine absolut geniale Reisezeit. Es gibt praktisch keine Touristen. Gut, es gibt auch allgemein wenig Hotels auf der Insel. Die meisten mieten daher einen Dammuso. Das sind kleine, alte Steinhäuser, deren Baustil aus der Zeit der arabischen Besetzung im 8. Jahrhundert stammen. Und mit klein, meine ich wirklich klein. Meist ist die Küche und das Bad nicht im gleichen Häuschen wie das Bett. Aus dem arabischen stammt auch der Name der Insel – Tochter der Winde.

Eingang ins Schlaf-Dammuso

Ja, die Insel ist noch ein bisschen ein Abenteuer. Vor allem die Straßen – kurvig, steil, meist einspurig. Aber dafür wird man mit einer unglaublichen Landschaft belohnt, die durch die Implosion eines Vulkans entstanden ist.

Der Arco dell Elefante – sieht aus wie ein trinkender Elefant

Aber gar so karg ist die “Windstochter” gar nicht. Die Oleander und Bougainvillen explodieren in herrlichen Pinktönen, es gibt unzählige bunte Wiesen-Blumen und viele Gräser. Die Flora erinnert auch viele an Schottland. Da war ich zwar noch nicht, kann ich mir aber gut vorstellen. Und es gibt mannshohe “Ohrwaschel”-Kakteen, deren Knospen sich schon bald gelb und organgefarben offenbarten.

Nach dem “trinkenden Rüssel” gibt es noch ein zweites beliebtes Fotomotiv. Der Specchio de Venere, der Venus-Spiegel, ist ein nach Schwefel riechender Salzwassersee, der auch für therapeutsiche Zwecke genutzt wird.

Der Specchio de Venere, Spiegel der Venus – der Schlamm und die warmen Quellen wirken heilend

Man sieht schon: viel Gegend, wenige Menschen, auch kaum Orte. Entschleunigung pur. Süditalien in Reinkultur. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Was für ein Glück, dass die Tourismusindustrie Pantellereia in Ruhe gelassen hat. Noch kurz zum gleichnamigen Hauptort. Den man kan getrost auslassen, es sei denn, man braucht einen Bankomat oder eine Tankstelle – denn beides gibt es nur hier. Er ist deshalb so schiach, weil er im zweiten Weltkrieg mehrheitlich zerstört wurde. Offenbar haben die Mittel gefehlt, ihn standesgemäß wieder aufzubauen.

Pantelleria City – nur zum Tanken und Geld abheben gut.

Mittelmeer-Diät! Jetzt endlich zum Wichtigsten. Zum Genuss. Egal, wo in Italien, das Essen ist immer herrlich. Und jede Region offeriert ihre ganz speziellen Pasta-Spezialitäten.

Pasta im Pantesca-Style – Kapern, Tomaten, Petersil und Brösel

Wir ernährten uns die ganze Woche über von Fisch und Nudeln. Die Fische – von Rombo über Barsche – stammen alle direkt aus dem Meer und sind jeden Tag fangfrisch. Man genießt sie al forno, alla griglia – und die kleineren wie z. B. Rotbarben auch gerne frittiert. Muscheln gibt es auch, nur der Tintenfisch war oft ein bissl zach.

Pesce im “Le Cale” in der Nähe des Örtchens Tracino

Gleich vorweg – es gibt auch nicht rasend viele Restaurants. Und  die meisten haben in der Vorsaison auch keinen Mittagstisch. Hier meine Favourites:

Le Cale – gute Küche, grandioser Blick auf die Cala Levante, wo sich gleich ums eck die Faraglioni von Pantelleria befinden.

Il Principe et Il Pirata – das vermutlich beste Lokal der Insel. “Pirat” Luciano ist ein herzlicher Gastgeber, seine Frau zaubert in der Küche Couscous mit mediterranem Gemüse, perfekt gegarten Fisch und Nudel-Spezialitäten im Pantasca Style – also mit frischen Tomaten, Kapern, Sardellen und oft auch Bröseln oder geriebenen Nüssen. Kapern wachsen hier wie wild und sind auch ein wichtiges Export-Gut.

Auf Pantelleria werden die Nudeln mit Sardinen und Kapern gewürzt und gerne mit Brösel bestreut.

Einen Grappa in Ehren kann keiner verwehren, vor allem nicht von “Pirat” Luciano

In Gadir – da wo auch Giorgo Armani sein Anwesen hat, findet man den “Andrea”, der sogar den ganzen Tag Küche anbietet.

Die Cala Gadir mit dem Ristorante “Da Andrea” (Mitte) – rechts oben am Hügel erstreckt sich das Anwesen von Giorgo Armani

Die meisten Restaurants befinden sich im und um  Scauri, das auch einen kleinen Hafen hat (dort kann man sich auch Boote ausborgen)

La Nicchia – gehobene Küche, leider kein Blick aufs Meer, aber netter Innenhof

Altamarea – nur abends geöffnet, bisschen kreativere mediterrane Küche, schöner Ausblick, schick!

Das Altamera – wie der Name schon sagt – über dem Meer von Scauri

La Vela – unser absoluter Liebling. Urige Trattoria direkt am Meer. Bodenständig, authentische Küche supernettes Personal, sehr preiswert. Hier speist übrigens auch am liebsten Tamara Troiani. Die Sängerin, Wirtin des Schönbrunner Stöckls und Ehefrau von Otto Schenks Sohn Konstanin stammt aus Pantelleria

Das La Vela liegt direkt am Meer und bietet auch einenguten Ausblick auf Scauri – eine verschlafene alte süditalienische Stadt. Fast wie in einem alten Filmschinken.

Im La Vela  gibts die besten Nudeln der Insel!

Baden! Das mit den Stränden ist so eine Sache. Es gibt eigentlich keine. Wie immer bei pittoresken Vulkan-Landschaften, Calderas und schroffen Fels-Küsten. Aber es finden sich immer wieder kleine Buchten, von wo aus man ganz gut ins Meer kann. Unbedingt Wasser-Schuhe kaufen, damit man sich nicht aufschürft. Und es gibt Ausflugsboote, die einen zu den schönsten Calas (es gibt auch immer wieder mal welche mit warmen Quellen, z. b. in Gadir). Man kann auch kleine, motorisierte Schlauchboote mieten. Das ist halt der Preis, wenn man fernab von überfüllten Strände urlauben will!

Die spektakuläre Küste von Pantelleria mit einsamen Badebuchten und glasklarem Meer

Faralgioni die Pantelleria – der “große Bruder” steht vor Capri

Ja, die Promis wissen schon ganz genau, wo es schön ist. Hier verbrachten schon einige Stars, der Adel und Designer ihre Ferien. Beatrice Borromeo sprang mit Ehemann Pierre Casiraghi (Sohn von Prinzessin Caroline) von Lapo Elkanns Yacht in die blauen Fluten. Giorgo Armani beherbgte schon Lauren Hutten oder Michelle Pfeiffer in seinen Gästehäusern. Audrey Tatou hüpfte von Fels zu Fels und aufgrund der Dreharbeiten zu “A Bigger Splash” hielten sich auch Dakota Johnson, Tilda Swinton und Ralph Finnes auf dem Eiland auf.

A Bigger Splash (Remake von “Der Swimmingpool” mit Alain Delon und Romy Schneider)

Ich werde mir nun demnächst “A bigger Splash” reinziehen und in traumhaften Erinnerungen an dieses Kleinod schwelgen.

Arrividerci & Baci, Eure Bride Mary

 

4 Responses

    1. Ich freu mich schon auf unser nächstes Abenteuer!

  1. fantastisch schöner blog mit wundervoll schönen Bildern .-)))) auf nach Pantelleria thanxx for the Tipp

    1. Danke liebe Colette, bald entführe ich ins schöne Salzkamergut 🙂

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