Fellini & Fettuccini! Ein kulinarischer wie cineastischer Wegweiser durch Rom

Rom ist August? Warum nicht. Ab Mitte August beginnt eine sanfte Melancholie das Sommergefühl zu beschatten, daher heißt es, die Seele mit den letzten heißen Sonnenstrahlen zu füttern. Die Römer entfliehen der Hitze der Stadt, daher ist ein bisschen mehr Platz für alle anderen. Ein kleiner Guide für ein perfektes Weekend in Rom.

Die Zeiten ändern sich! Wer ausgiebige Selfie-Sessions auf der Spanischen Treppe vor hat, muss früh aufstehen – und selbst da scheucht einem die Polizei von den Stufen. Andererseits kommt man so zu Bildern, die man zuletzt in Roman Holidays – Ein Herz und eine Krone (1953) mit der hinreissenden Audrey Hepburn und Gregory Peck gesehen hat. Ohne Menschengedränge.

Ein Herz und eine Krone aus dem Jahr 1953 mit Audrey Hepburn & Gregory Peck
Zwei Herzen und keine Krone 🙂

Rom ist ja nicht nur ein riesiges Freiluftmuseum, sondern eine einzige Filmkulisse. Fast alle Sehenswürdigkeiten kennt man aus Blockbustern – von einst und jetzt. Einen Steinwurf der Spanischen Treppe entfernt, spendet der Trevibrunnen einen wenig Frische.

 

Man hat gute Lust, sich im Fontana di Trevi zu räkeln wie weiland Anita Ekberg und Marcello Mastroiani im Fellini-Klassiker La Dolce Vita (1960). Aber genau genommen taten sie es nicht …

Filmgeschichte. Marcello Mastroiani & Anita Ekberg in “La Dolce Vita” (1960).

Diese berühmte Szene wurde nämlich in einem Nachbau des Trevi-Brunnens in der Cinecittà gedreht. Münze habe ich natürlich  eine hineingeworfen (Three Coins in a Fountain aus 1954), denn nach Rom will ich immer wieder zurück.

So, jetzt aber eine kurze Stärkung – auf geht’s zur Piazza Navona, da wo einer der Kardinäle in Illuminati von Dan Brown (mit Tom Hanks) ermordet aufgefunden wurde.

Einer der schönsten Plätze Roms. Piazza Navona.
Berninis Fotana die Fiumi, der Vier-Ströme-Brunnen auf der Piazza Navona.

Eine Touristenfalle pro Aufenthalt, dachten wir uns, sei völlig ok – also eroberten wir auf der Navona die Front Row im Ai tre Tartufi aus 1896. Das Lokal entpuppte sich aber als Highlight. Der Prosecco schmeckt in Italien eh überall gut, wenn er aus dem Veneto stammt. Capo Angelo  ist ein einmaliger Schmähbruder, die Kellner nehmen es mit Humor, dass sie viele Fotos schießen müssen.

Große Erzählungen über das antike Rom dürft ihr von mir nicht erwarten. Dazu gibt es ganze Bibliotheken und ein Wochenende reicht ehrlicherweise nicht aus. Hier und da ein paar Stichworte, wer mag:

Das Pantheon, gleich ums Eck der Navona, ist eine gewaltige Glaubensstätte aus dem 2. Jahrhundert, ab der Renaissance wurde sie als Grabstätte genutz -u. a. ruht hier der Maler Raffael. Wem die Warteschlangen zu lang sind, empfehle ich einen Blick ins Internet, während man mit einem Getränk die Kulisse auf sich wirken lässt.

Ein Birra Moretti vor der Kulisse des Pantheons.

So, genug Kraft getankt – mit dem E-Scooter düsten wir über den Tiber Richtung Vatikan, vorbei an der Engelsburg zum Petersdom. Keine Leute im August!

Am Tiber-Ufer befindet sich auch eine Art “Mini-Summerstage”.

Obwohl ich das Zentrum der römisch-katholischen Kirche schon einige Male erleben durfte, überwältigt es es mich dennoch immer wieder.

Keine Leute beim Petersdom im August.
Die Schweizer Garde bewacht nicht nur den Papst, sondern auch, dass niemand Corona in den Vatikan einschleppt.
Die von Cesari entworfenen Mosaike der Kuppel sollen einen Blick in das Himmelsgewölbe darstellen.

Unvorstellbar eigentlich, dass man einfach so an der Pietà von Michelangelo vorbeigeht und sich am gleichen Platz wie die berühmtesten Reliquien des Vatikans befindet: das Schweißtuch der Veronika, ein Stück vom Kreuz Christi, die Heilige Lanze und bis 1964 das Haupt des Apostels Andreas – letzteres wurde nach Patras überführt.  Die Reliquien werden bzw. wurden im jeweiligen Pfeiler in einem großen Tresor aufbewahrt. Mehr Vatikan ging sich für den Moment nicht aus, aber dafür hat man immer wieder einen Grund, zu kommen. Wir erinnern uns: Trevi Brunnen, Münze werfen! Nicht vergessen.

Machen wir noch schnell unsere “Kultour” fertig, ehe wir uns zum Abschluss der Kulinarik hingeben.

Sonntags im Kolosseum. Autofreier Tag – nur Pferdekutschen galoppieren durch die Antike. Aber ich habe noch nie ein so chaotisch organisiertes Museum erlebt. Trotz Vorab-Online-Ticketkauf (24 Euro für 2 Tage Kolosseum + Forum Romanum-Kombi mit Führung), mussten wir erst recht anstellen (keiner wusste genau wo) und fanden auch keinen Guide vor. Statt dessen mussten wir um weitere 6 Euro pro Personen einen Audio-Guide in iPod-Form mieten, der auch Filmeausschnitte spielte, wenn man über genügend Sehkraft verfügt. Von Spartacus bis Quo Vadis – Monumentalschinken suggerieren Brot und Spiele.

Verkehrsknotenpunkt Piazza Venezia mit Monument für König Vittorio Emanuele II., auch liebevoll Schreibmaschine genannt. Von hier aus geht’s ins alte Rom.
Erster Blick (gratis) ins Forum Romanum.
Die Arena des Todes – das Kolosseum von Rom. Wurde 80 n. Chr. von Kaiser Vespasian 100 Tage lang eröffnet. Hier fanden eine halbe Million Gladiatoren, Sklaven und verurteilte Verbrecher einen grausamen Tod.
Panem et circenses: Eintritt und Brot waren gratis. Hier ergötzten sich die alten Römer an Seeschlachten und Mordsspektakeln.
Auch Gregory Peck alias Reporter Joe Bradley erzählte Prinzssin Ann (Audrey Hepburn) die eine oder andere schaurige Anekdote.

Habe ich schon erwähnt, wie schlecht die Kolosseum-Tour ist? Auch der Audio-Video-Guide war uninspiriert und wenig informativ. Was hätte man alles über die Geschichte Roms erzählen können? Stattdessen spielten sie alte Filmszenen aus der Cinecittà-Kulisse ein.

Quo vadis mit Sir Peter Ustinov als Nero (1951).

Gleich daneben, am Palatin im Forum Romanum, kann man übrigens noch die Grundrisse des mächtigen Palastes von Nero (53-68 n. Chr.) sehen.

Am Palatin residierten die Kaiser Roms in obszönem Prunk.

Von ihrer Terrasse überblickten die Cesaren die Wagenrennen im Cirkus Maximus.

600 Meter lang und 140 Meter breit. Was vom Circus Maximus überblieb.

Kurzer Schwenk über das Forum Romanum. Da es hier nicht einmal einen Audio-Guide gab und die Infotafeln mancherorts leicht verwittert waren, passierten wir 2000 Jahre bei einem ausgedehnten Spaziergang. Auf diesem Areal spielte sich das Leben ab: Senatsgebäude, Triumphbögen, Geschäfte, Tempel und Wohnhäuser sowie Villen für die Reichen.

Mangare!!!! Das wichtigste Viertel für kulinarische Genüsse heißt Trastevere – also jenseit des Tibers – direkt gegenüber des historischen Zentrums. Die Einheimischen grenzen sich ganz gerne vom gemeinen Römer ab. Hier behauptet jeder, die beste Pasta der Stadt anzubieten. Alle hypen das Tonnarello. Wir ignorierten den Herden-Trieb.

La Canonica – in Trastevere isst man überall gut.
Pasta Romana: Amatriciana & Caccio et Pepe

Denn, wer hat sich schon durch alle Osterias und Ristorantes durchgefuttert? Wir haben überall gut gegessen – vor allem die typisch römischen Nudelgerichte haben es uns angetan.

Cacio et Pepe: Spaghetti mit geriebenen Peccorino und schwarzem Pfeffer – leicht scharf. Amatricana: Bucantini (hohle Spaghetti) mit frischen Tomaten, Weißwein, Peperoncino und geriebenen Pecorino, garniert mit Speckstücken. Die Nudelspezialität stammt aus Amatrice in der Nähe von Romm. In der Saison isst der Römer gerne Artischocken alla Romana. Empfohlen wird auch Cicoria ripassata – Zichorien-Salat. Der war schon in der Antike beliebt.

Vorspeisenvariation im “La Scala” in Trastevere. In Rom muss man auch einmal eine Art Melanzani-Lasagne probieren (oben im Bild).

Einen super Lokaltipp haben wir aus dem Falstaff übernommen. Trattoria de Gli Amici. Ein wunderbares Sozialprojekt, das Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Küche und Service integriert. Das Essen ist fantastisch. Wir hatten Fettucine al Ragu, herrliche Burrata und ein Fritto misto.

Fritto in der Trattoria de Gli Amici in Trastevere

Hoteltipp! Werbung mache ich nur, wenn ich wirklich überzeugt bin, denn mein Blog wird nicht finanziert oder basiert auf Einladung, sondern ich zahle alles selbst. Hotel Mozart, zwischen der Piazza del Popolo und der Spanischen Treppe, eine Seitengasse der Via del Corso. Gutes Preis-Leistungsverhältnis und eine romantische Dachterasse mit Blick über Rom.

Arrivicerci Roma! Eure Bride Mary on Tour

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