Kurztrip nach Vietnam – Götter, Geister & Garküchen

Vier Tage sind wirklich kurz für eine so aufregende Destination, aber vier Tage reichen völlig aus, um zur wichtigsten Erkenntnis zu gelangen. Mag man Vietnam oder mag man es nicht? Wir mögen es. Sehr sogar. Die Küche ist bei Foodies schon lange angesagt und muss sich längst nicht mehr hinter der Thai-Kitchen verstecken. Das Land leckt immer noch seine tiefen Wunden und offenbart sich gleichzeitig in der Schönheit einer längst versunkenen Zeit und der Rasanz eines neuen, asiatischen Zeitalters.

Saigon will hoch hinaus. In ein paar Jahren stehen hinter mir sicher noch mehr Wolkenkratzer

Nachdem im Dezember, wo wir Indochina bereisten, der Norden Vietnams kühl angesagt war, heben wir uns Hotspots wie Hanoi oder die Halong-Bucht für das nächste Mal auf. Ziele sind etwas Wunderbares. Somit starteten wir unseren Kurztrip in Zentral-Vietnam von der modernen Stadt Da Nang aus. Da gibt es jetzt nicht viel zu erzählen, weil hier einfach eine Stadt aus dem Boden gestampft wurde. Und was macht man, wenn man mit keinen Sehenswürdigkeiten aufwarten kann? Genau, man baut einfach welche. So entstand eine imposante Brücke, deren Licht-Design einen Drachen darstellen soll. Von dort ging es an die Küste zur einzig erhaltenen alten Stadt Vietnams. Touristen-Massen inklusive – an sich …

Hoi An entführt ins 300 Jahre alte Vietnam. Am Abend verwandeln unzählige bunte Lampions die Stadt in ein Lichter-Meer.
Eingang in die Versammlungshalle der Chinesen

Hoi An erblühte im 16. Jahrhundert zur Handels- und Hafenmetropole. China und Japan machten hier Geschäfte, daher ist auch die Japanische Brücke (siehe Startbild) das Herzstück des Ortes, in dem Touristen noch eine Ahnung bekommen, wie einstmals Geister und Götter den Alltag der Menschen prägten. Üblicherweise kann man vor lauter Touristenströme nicht wirklich in die Mystik der Stadt eintauchen. Bei uns strömte nur der Regen, dafür waren aber auch nicht so viele Menschen hier. Ein Touriprogrammpunkt pro Station muss sein – so ließen wir uns zum Besuch einer Seidenmanufaktur überreden … im Regen versäumten wir nichts.

Lunch in einem der romantischen Ufer-Lokale am Thu Bon muss auch noch ein paar Jährchen warten, denn der Fluss hat leider die halbe Stadt überschwemmt. Aber unser Hauptziel galt ohnehin DER Spezialität von Hoi An – und das sind Banh Mi – Baguettes, gefüllt mit asiatischen Spezialitäten – wie überall in dem Raum, brachten es die Franzosen mit. Die besten gibt es im Phan Chau in der Trinh Street. Ich schmecke jetzt noch die Kräuter zum scharf gebratenen, spicigen Fleisch heraus. Kostet nicht mal 2 Euro.

Banh Mi – Frankreich trifft Indochina in einem frischen Baguette
Hoi An ist klein, irgendwann findet man den unscheinbaren Banh Mi-Laden – auf der großen Querstraße zum Fluss

Good Morning Vietnam! Saigon. Die Geschichte, das Greuel, das Kriegsmuseum, all das ließen wir aus. Die kolonialen Zeugen der vietnamesischen Belle Epoque kann man noch vereinzelt beim City-Bummel noch sehen. Im Rathaus, in der Oper und in der Alten Post.

Saigon Downtown: zwischen Wolkenkratzern befinden sich noch Juwelen der Belle Epoque

Frisch renoviert entfaltet die Hauptpost, die volle Jugendstilpracht. Angeblich gibt es hier immer noch einen alten Mann, der Liebesbriefe für Leute verfasst, die nicht die richtigen Worte finden. Der Legende nach schrieb er für junge, mandeläugige Schönheiten Liebesbotschaften an ihre GI’s, die in die USA heimgekehrt sind. Und weil ein Blog über Saigon doch nicht ganz ohne Krieg geht, kommt man, ob man will oder nicht, am Rex-Hotel vorbei, wo “Good Morning Vietnam” gedreht wurde. Und am Caravelle Hotel. Der Vientam-Krieg war der einzige, über den man bequem von einer Dachteresse aus berichten konnte.

Das legendäre Rex-Hotel. Heute beheimatet es Luxus-Labels
Goooooood Morning Vietnam! Hier spielten einige Szenen des Films

Wie die Bewohner von Ho Chi Minh City, wie es ja jetzt genannt wird, schauten wir nach vorne – und vor allem nach oben. Derzeit entsteht in einer einer irrsinnigen Gewchwindigkeit eine neue Welt-Metropole. Die Hochhäuser und Türme kratzen ebenso an den Wolken wie in Bangkok, Dubai oder Shanghai. Wir checkten in einem ganz neuen, nicht ganz so hohen Hotel mit Rooftopbar- und Pool namens The Myst ein. Sehr empfehlenswert.

Oase inmitten der quirligen Metropole. Rooftop-Pool im Hotel THE MYST

Unser Urlaubsalltag gestaltete sich wie folgt: ein bisschen Sightseeing und ein bisschen essen. Und aufpassen, dass man nicht von einem der 8 Millionen Motorräder überfahren wird. Das Zentrum ist gerade eine einzige Baustelle, da eine U-Bahn entsteht. Vor den Toren der Stadt finanzieren Deutsche, Franzosen, Chinesen – alljene, die ein Interesse an der boomenden Wirtschaft Saigons haben – einen neuen 16 Milliarden Dollar teuren Flughafen. Wer Ruhe sucht, findet sie in Parks, wo frühmorgens “tout Saigon” Schatten boxt oder eine andere abgefahrene asiatische (Kampf)Sport-Art ausübt, oder am Blumenmarkt nahe Chinatown.

Ho Thi Ky – der Blumenmarkt von Saigon
Thien Hau Pagode in Chinatown

In Saigons Bezirk Cholon befindet sich die Thien Hau Pagode, die hauptsächlich Frauen aufsuchen, ist sie doch Me Sanh, der Göttin der Fruchtbarkeit, und Long Mau, der Göttin der Mütter und Neugeborenen gewidmet. Je mehr Glück man haben möchte, desto größer die Räucherstäbchen 🙂

STREETFOOD
Wer in Saigon ist, muss unbedingt auf den Streetfood Market – gleich beim Central Market ums Eck. Dort kann man bedenkenlos schlemmen, auf Hygiene und das Einhalten der Kühlkette wird großen Wert gelegt. Derzeit voll im Trend: Schweinebauch in allen Variationen – am Spieß oder in Danh Baos (Teigtäschchen) oder Frühlingsrollen. Suppen brodeln, Rauchschwaden steigen von brutzelndem Fleisch auf, das Bier strömt. Auch für uns ganz neue Geschmackserlebnisse wie eine “Crispy Reis Pizza” findet man in diesem Viertel – oft hinter einem Eingang in einen Innenhof, der auf den ersten Blick nix Gutes verspricht. Nur die Restaurants, die abends rund um den Zentralmarkt aufgebaut werden, kann man getrost meiden. Wer das laute Saigon sucht, ist auf der Party-Street Bui Vien richtig.

Und zum Abschluss gab es noch einen Abstecher ins Mekong Delta, wo sich der mächtige Strom nach annähernd 5000 Kilometern ins Meer mäandert. Auch hier vermisst man das verklärte Bild von exotischen Schönheiten, die in ihrer bezaubernden Tracht “Ao Dài” (geschlitze, hochgeschlossene, enge Mäntel zu Hosen) Waren in Floating Market-Booten feilbieten. “Das Business hat sich auf die Straße verlagert”, erzählt unser Guide. “Dort, wo es laut ist, ist jetzt das Geld zu Hause.”

Zum Abschluss von Vietnam durch das Mekong Delta
Frischer Fisch aus dem Mekong – eine Spezialität
Nur noch vereinzelt sieht man Einheimische am Mekong

Next Stop: Thailand

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.